Der 11. November ist ein Datum mit doppelter – eigentlich dreifacher – Bedeutung: Wir feiern den Martinstag mit Laternenumzügen und Martinsgans, in vielen Regionen eröffnet um 11:11 die Karnevalssession, und historisch markierte „Martini“ das Ende des Bauernjahres samt Pacht- und Zinsterminen. Außerdem spielt in Franken und der Oberpfalz eine besondere Figur eine Rolle: der Pelzmärtel (regional auch Pulzermärtel/Belzmärtel). Hier erfährst du, was es damit auf sich hat.
Der Martinstag am 11.11: Ursprung und Bräuche
Der Martinstag erinnert an den heiligen Martin von Tours, einen römischen Soldaten, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. Sein Gedenktag ist der 11. November – historisch der Tag seiner Beisetzung im Jahr 397. Bis heute stehen Nächstenliebe und Teilen im Mittelpunkt, was sich in zahlreichen Bräuchen widerspiegelt.
- Laternenumzüge: Kinder ziehen am Abend mit selbstgebastelten Laternen durch die Straßen und singen Martinslieder.
- Martinsgans: Der Festbraten ist verbreitet – laut Legende verrieten schnatternde Gänse den versteckten Martin, als er der Bischofswahl entgehen wollte.
- Martinsgebäck: Regionale Spezialitäten wie Martinsbrezeln, Weckmänner/Stutenkerle oder Hörnchen werden geteilt.
„Teilen macht aus einem Mantel zwei warme Schultern.“ – Die Legende des heiligen Martin in einem Satz
Warum 11:11? Karnevalsauftakt am 11.11
Punkt 11:11 Uhr beginnt am 11.11 die neue Karnevalssession. Die „Narrenzahl“ 11 hat Tradition – sie steht augenzwinkernd für das Ausbrechen aus starren Regeln. In Hochburgen wie Köln, Düsseldorf oder Mainz versammeln sich tausende Menschen in Kostümen; der Straßenkarneval selbst entfaltet sich dann im neuen Jahr bis Aschermittwoch. Der Auftakt: bunt, laut, fröhlich.
Historische Einordnung: „Martini“ als Zinstermin und Winterbeginn
Der 11. November war im Mittelalter ein wichtiger Stichtag: Pacht und Zinsen wurden fällig, Dienstverhältnisse wechselten, das bäuerliche Jahr schloss ab. Vor der Weihnachtszeit begann außerdem das „Martinsfasten“, eine Vorläuferzeit des Advents – umso verständlicher, dass man vorher noch einmal festlich gespeist hat.
Pelzmärtel (Pulzermärtel): Der fränkische Geschenkbringer
Der Pelzmärtel – in Dialekten auch Pulzermärtel, Belzmärtel oder Bulzermärtel genannt – ist eine traditionelle Figur vor allem in Franken und Teilen der Oberpfalz. Der Name leitet sich von „Pelz“ (Fell) und „Märtel/Martin“ ab: ein bärtiger Mann im Fellgewand, oft mit Sack und manchmal mit Rute, der Kinder besucht, ihre Verse oder Lieder anhört und kleine Gaben überreicht.
- Zeitpunkt: Ursprünglich am Martinstag (11.11), regional bis heute lebendig.
- Begleitung: Mancherorts kommt er mit einem „Englein“ oder einer helfenden Gestalt.
- Gaben: Nüsse, Äpfel, Gebäck – später auch Süßigkeiten.
- Verwandtschaft: Parallelen zu Nikolaus/Knecht Ruprecht; in einigen Gegenden ging die Rolle des Gabenbringers später an das Christkind über.
Der Pelzmärtel verkörpert – wie St. Martin – den Gedanken des Teilens. Gleichzeitig erinnert seine Erscheinung an alte winterliche Umzugsbräuche, bei denen maskierte Gestalten Schutz und Segen ins Haus bringen sollten.
Kulinarik am 11.11: Von Martinsgans bis Brezel
Wenn es draußen früh dunkel wird, wird drinnen aufgetischt: Die Martinsgans mit Rotkohl und Knödeln ist ein Klassiker. In vielen Regionen werden süße Brezeln, Hörnchen oder Weckmänner gebacken – nicht selten zum Teilen, ganz im Sinne der Legende.
So feierst du den 11.11 bewusst
- ✅ Laternen basteln und am Umzug teilnehmen
- ✅ Eine kleine Spendenaktion oder „Teilen“-Challenge starten
- ✅ Regionale Bräuche entdecken: Pelzmärtel-Besuche, Martinsfeuer, Lieder
- ✅ Bewusst genießen: Gans, vegetarische Alternativen oder klassisches Martinsgebäck
FAQ zum 11.11, Martinstag und Pelzmärtel
Was passiert traditionell am 11.11?
Der Martinstag wird mit Laternenumzügen und Martinsliedern gefeiert; vielerorts beginnt um 11:11 die Karnevalssession. Historisch war „Martini“ ein wichtiger Stichtag im Jahreslauf.
Wer ist der Pelzmärtel (Pulzermärtel)?
Eine regionale Geschenkbringer-Figur vor allem in Franken und der Oberpfalz. Er erscheint um den 11.11, trägt Fell, prüft Kinderreime und verteilt kleine Gaben – verwandt mit Nikolaus- und Christkindtraditionen.
Warum beginnt Karneval am 11.11 um 11:11?
Die Zahl 11 gilt als „Narrenzahl“. Der symbolische Startschuss markiert den Auftakt der Session; die großen Umzüge finden später in der Session statt.
Was hat es mit der Martinsgans auf sich?
Der Legende nach verrieten Gänse den sich versteckenden Martin, als er der Bischofswahl entgehen wollte. Daraus entwickelte sich eine Ess-Tradition rund um den 11.11.
Weiterführende Infos und Quellen
- St. Martin von Tours: Hintergrund und Legenden (seriöse Kirchen- oder Kulturportale)
- Regionale Kulturseiten zu Pelzmärtel/Pulzermärtel (Franken, Oberpfalz)
- Stadtportale mit Terminen zu Laternenumzügen und Karnevalsauftakt
Fazit: Ein Datum, drei Bedeutungen – und viel Tradition
Der 11.11 verbindet die Wärme des Teilens mit dem heiteren Auftakt in die „fünfte Jahreszeit“ – und er bewahrt regionale Schätze wie den Pelzmärtel. Ob mit Laterne, Gans oder Konfetti: Hauptsache, es bleibt ein Tag, der Menschen zusammenbringt.